Experteninterview

Nachfolgend ist ein Experteninterview mit Tizian Burkhard zu hören, welcher momentan der der Universität Bern Psychologie studiert.

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Transkript

David: Herzlich Wilkommen hier zum kleinen Interview über das Thema "Parasoziale Beziehungen und KI". Danke erstmal, dass du hier mitmachst, und dann würden wir gleich anfangen. Als erste Frage: "Wie unterscheidet sich eine parasoziale Beziehung zu einer beispielsweise bekannten Persönlichkeit und einer KI?"

Tizian: Also, danke dass ich hier teilnehmen darf. Erstmal, eine parasoziale Beziehung ist eine einseitige emotionale Beziehung, die eine Person zu jemanden aufbaut, den sie aber persönlich nicht kennt.

Bei einer bekannten Person ist meistens klar, dass diese Beziehung auf einer einseitigen Ebene stattfindet. Man sympathisiert sich mit dieser Person, fühlt sich mit dieser Person verbunden und die Gefühle, die ausgelöst werden können echt sein, aber sie sind eben nur einseitig.

Im Gegensatz dazu ist das bei der KI anders. Die KI ist eigentlich meistens auf einem zugeschnitten und es scheint so als würde die KI einem persönlich kennen. Die Beziehung scheint echter zu sein als sie eigentlich nachher ist. KI stellt sich darauf ein, was man gerne hören will, was einem anscheinend auch gut tut und einem hilft und was zum Selbst der Person auch passt und diesem entspricht.

David: Mhm, wer ist aus deiner Sicht besonders gefährdet?

Tizian: Besonders gefährdet sind Personen, die sich einsam fühlen. Personen, die ein eher tiefes Anschlussmotiv haben und weniger selbstsicher sind. Diese Art von Personen hat eher wenig soziale Kontakte, ist eher zurückgezogen.

Solche Menschen sind oft emotional belastet und sind durch das somit auch emotional beeinflussbar und anfälliger. Dies trifft auch oft zu, vor allem, wenn Personen sich in einer Umbruchphasen befinden und dadurch sind sie anfälliger und wollen Nähe oder Orientierung finden, und das ist eigentlich im Grunde etwas, was ihnen Stabilität gibt.

David: Mhm, welche Aspekte oder Verhaltensmuster einer KI erhöhen die Gefahr nachher noch?

Tizian: Wie bereits angesprochen führt es bei KI oft zu einer emotionalen Bestätigung und KI gibt einem eben das Gefühl, das sie immer für einem da zu sein.

Die KI kann also so wirken als würde sie echte Gefühle haben oder exklusiv für eine Person da sein und dies kann zu einer starken Abhängigkeit führen.

David: Mhm, ist KI bereits ein Thema in deinem Studiengang, und wenn nicht, sollte es dies sein?

Tizian: KI ist ein Thema in unserem Studiengang, also auch immer wieder und es nimmt auch zu.

Wichtig ist vor allem, das der Gebrauch von KI durchaus hilfreich und unterstützend sein kann, aber wir sollten trotzdem selbst immer noch denken und den eigenen Verstand brauchen, bevor man die KI benutzt. Also nicht einfach nur der KI einem alles machen lassen.

Auch die KI weiss nicht alles und ist auch fehlerhaft, das sollte man auch berücksichtigen.

Also, schlussendlich kann KI als Hilfsmittel genutzt werden, aber sollte nicht die Überhand nehmen.

David: Mhm, welche Rolle spielen kulturelle Unterschiede im Umgang mit KI-„Beziehungen“?

Tizian: Kulturelle Werte spielen eigentlich eine grosse Rolle. Je nach Kultur werden beispielsweise auch Emotionen anders interpretiert und kommen anders zum Ausdruck gebracht.

Zum Beispiel, gerade in östlichen Kulturen werden Emotionen stärker reguliert. Ein Beispiel dafür wäre Japan wo es als unangemessen angesehen wird, wo negative Emotionen gegenüber Personen mit einem hohen Status zeigt werden, oder eben gerade nicht so gezeigt werden sollen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade in solchen Kulturen KI als sozialen oder emotionalen Ersatz dienen kann.

David: Mhm, wie sollte die Gesellschaft präventiv mit problematischen KI-Bindungen umgehen?

Tizian: Vor allem wichtig ist eigentlich die Aufklärung und zu zeigen, welchen Einfluss KI haben kann und dass nicht alles was von der KI stammt gut und hilfreich ist.

Menschen sollten eigentlich immer verstehen können was KI ist und was nicht.

David: Mhm, welche ethischen Grenzen sollte eine KI beim Design einhalten, um Missbrauch oder emotionale Abhängigkeit zu verhindern?

Tizian: Es sollte eigentlich klar sein, dass KI immer noch eine Maschine ist, die aufgrund von Algorithmen funktioniert.

Und es sollte also klare Grenzen geben, dass auch keine gezielte emotionale Manipulation entstehen kann.

Es gibt gerade solche Apps, die so gestaltet sind, dass eine Art Freundschaft simuliert wird, und die basieren wahrscheinlich auf den Vorlieben emotional unterstützen, und diese können eben so eine emotionale Abhängigkeit auslösen.

Und das sollte klar verhindert werden.

David: Mhm, können parasoziale KI-Beziehungen auch positive Effekte haben?

Tizian: Es können durchaus positive Effekte daraus resultieren.

Aber, KI wahrscheinlich sollte immer noch als Unterstützung- und Hilfsmittel verwendet werden, für das ist es auch passend.

Aber es sollte wie gesagt in einem normalen Mass sein. Ich selber benutze KI auch zum Beispiel zum Lernen oder wenn ich schnell etwas nachschauen will.

Wichtig ist einfach, dass man mit KI eigentlich reale soziale Beziehungen auf keinen Fall ersetzen kann.

David: Mhm, wie siehst du den Idealzustand für persönliche Beziehungen zu KI in der Zukunft?

Tizian: KI als Werkzeug zu nutzen ist passend, es sollte jedoch persönliche menschliche Beziehungen nicht ersetzen.

Eventuell kann es einem aber helfen bei einer zwischenmenschlichen Beziehung zum Beispiel Probleme zu lösen oder auch Ratschläge zu geben, aber auch diese sind mit Vorsicht zu geniessen.

Menschen sollten immer noch Kontrolle und Bewusstsein darüber haben, wie sie KI nutzen und wie diese funktioniert.

David: Mhm, und wie wird die Zukunft diesbezüglich aber wahrscheinlich aussehen?

Tizian: Also, KI wird immer mehr zunehmen im Alltag und auch an emotionalem Einfluss dazu gewinnen.

Aber es sollten immer mehr Regeln, Diskussionen und vor allem die Menschen darauf sensibilisiert werden, wie sie mit KI umgehen sollen.

Und da ist eigentlich Aufklärung ein sehr wichtiges Sprichwort für die Zukunft.

David: Gut, das wären alle unseren Interviewfragen gewesen. Danke vielmals fürs mitmachen.

Tizian: Sehr gerne, vielen Dank.